Klappentext: Mit Blut auf uraltem Stein, Der Pfad des Häuptlings und Zahltag sind in dieser Anthologie die drei Siegerbeiträge des Abenteuer-Wettbewerbs um den Goldenen Becher 2008 versammelt. Alle drehen sich um das schwierige Verhältnis zwischen den schwarzpelzigen Invasoren des Svellttals und den von ihnen unterworfenen oder in steter Vorsicht vor ihnen lebenden Menschen. Dabei sind die Helden oftmals aufgefordert, mit ungewöhnlichen Verbündeten zusammenzuarbeiten, und neben einer scharfen Klinge sind auch Kulturkunde und geschickte Diplomatie gefragt. Die Autoren Muna und Roman Bering, Bernhard Pesch und Stefan Unteregger zeigen hier, dass der Umgang mit den Schwarzpelzen weit mehr sein kann als die kämpferische Auseinandersetzung in Verlies und Wildnis.
»Für einen Abenteuersammelband stellt Von Orks und Menschen eine äußerst positive Überraschung dar. Im Gegensatz zu manch anderer Publikation des Segmentes erhält der Käufer hier tatsächlich drei spannende und vor allem fertige Abenteuer, die ohne größeren Aufwand gespielt werden können, wobei sich an der Darstellung der Orks, die der derzeitig vorherrschenden "Political Correctness" geschuldet ist, die Geister vermutlich scheiden werden. Eine besondere rollenspielerische Herausforderung ist hier der moralische Konflikt, der in den Abenteuern unvermeidbar auf die Charaktere zukommt. Fans von solch anspruchsvollem Rollenspiel dürfen daher zugreifen.«
»An der Anthologie werden sich die Geister scheiden. Weniger an der Qualität der AB-Ausarbeitung, die durchweg gut bis sehr gut ist, sondern vielmehr an dem Hintergrund, vor dem die Anthologie spielt. Der Versuch, Orks als hochkulturelle Wesen darzustellen, fernab aller "Monsterrollen", ist sicherlich ehrenvoll und entspricht der zeitgeistigen "political correctness", die in der Sammlung auch in den Menschen zum Ausdruck kommt, die vorwiegend "unmenschlicher" als die Orks selbst erscheinen (mit teilweise leider bizarren und DSA-untypischen Zügen). Insoweit sehr interessant, aber schwierig umzusetzen und meines Erachtens teilweise von alten DSA-Produkten abstrahiert. In diesem Zwiespalt ist die Anthologie jedoch sehr gut gelungen, sie krankt aber an der fehlenden Eignung für so manche Spielerrunde. Wenn in AB 2 zum Beispiel ein Ork als Hauptperson und Begleiter der Heldengruppe in Erscheinung tritt, der um den Hals eine Kette aus abgeschnittenen Elfenohren trägt, um gleichzeitig in dem AB eine Kooperation mit einem heldischen Elfen zu unterstellen, so nimmt das AB eine Spielerreaktion an, die schwer vorstellbar ist. Im Ergebnis scheint mir die Durchmischung von menschlichen und orkischen Kulturen moralapostolierend überzogen. Die AB bieten dafür aber jede Menge Spaß, wenn man als Meister einzuschätzen vermag, wie der eine oder andere Spieler oder SC in welcher Situation reagieren mag. Insgesamt würde ich dem AB 1 5 Punkte geben, AB 2 8 Punkte und AB 3 leider nur 4 Punkte.«
»Ziemlich gut geworden. Besonders der Teil um Grimmsvell zeigt Gloranas interessante Vorgeschichte und die Möglichkeiten für einen Menschen in der orkischen Kultur. Blut auf uraltem Stein ist dagegen ein typisches Einsteigerabenteuer und für ein solches wirklich gut gelungen, da Einsteigerspieler hierbei schon sehr gut Spielmechanismen erkennen und Lösungsstrategien erarbeiten können. Außerdem lassen dieses Abenteuer und Zahltag dem Meister genug Freiheit, noch ein paar Begegnungen u.ä. einzustreuen.«Von Orks und Menschen ist die jährliche Abenteuerantologie zum Abenteuerwettbewerb "Der Goldene Becher" der Hannover Spielt!. Hier finden sich die drei Siegerabenteuer des Jahres 2008, die den Umgang mit Schwarzpelzen zum Thema hatten.
In Blut auf uraltem Stein von Stefan Unteregger werden die Helden von einem Händler als Bedeckung angeworben. Unterwegs häufen sich Indizien, dass die örtlichen Schwarzpelze anscheinend einen Angriff auf das Praios-Kloster Arras de Mott planen. Da in der Kürze der Zeit keine Verteidigung für den heiligen Ort aufgestellt werden kann, bleibt den Helden nur, die Schwatzpelze von ihrem Vorhaben abzubringen. Hierzu gilt es eine Intrige aufzudecken, in der die Schwarzpelze lediglich die "Drecksarbeit" erledigen sollten.
Zahltag von Muna und Roman Bering spielt in der ehemaligen Hauptstadt des svelltschen Städtebundes: Lowangen. Nachdem die Helden einem Ork buchstäblich den Pelz gerettet haben, werden sie als Bewachung für eine Tributzahlung an die Schwarzpelze angeworben. Als ein Teil des Tributes verschwindet, wittern die Orks Verrat und setzen Lowangen ein Ultimatum. In der Kürze der Zeit müssen die Helden den Diebstahl aufdecken und ein Komplott verhindern, das den ohnehin schon brüchigen Waffenstillstand zwischen Mensch und Ork gefährdet.
Der Pfad des Häuptlings von Bernhard Pesch führt die Helden ins Rorwhedgebirge, wo sich die Kulturen von Mensch und Ork zusehends vermischt haben. Die Helden sollen einem menschlichen Krieger beistehen, der bei den Schwarzpelzen aufgewachsen ist und nunmehr um die Häuptlingswürde kämpfen wird. Vor Ort müssen die Helden feststellen, dass die Götter neben den Problemen des Kriegers noch diverse andere Unwägbarkeiten für sie bereit halten.
Die Abenteuer richten sich an alle Charaktere, die man unter dem Sammelbegriff "Glücksritter" zusammenfassen könnte. Da in allen Abenteuern mehr oder weniger Kooperation mit Schwarzpelzen Programm ist, sind Charaktere mit festgefahren Moralvorstellungen und klarem schwarz-weiß denken ebenso fehl am Platz, wie Helden, die mit Orks nur Hass und Tod verbindet. Vorurteile gegen Schwarzpelze sind jedoch ebenso möglich wie exotische Charaktere. Ein starker Schwertarm wäre von Vorteil. "Soziale" Fertigkeiten sind im Umgang mit den Orks unverzichtbar. Ansonsten sind die Anforderungen an die Helden eher mäßig, so dass hier auch Einsteigercharaktere verwendet werden können. Die (insbesondere moralischen) Anforderungen an die Spieler sind bedeutend höher, so dass sich das Abenteuer nicht unbedingt für DSA-Neulinge eignet.
Für eine Abenteueranthologie ist der Ausarbeitungsgrad erstaunlich hoch. Die Abenteuer können theoretisch ohne sonderlich viel Vorbereitung gespielt werden (Dass der Spielleiter die Abenteuer vorher liest, ist obligatorisch.). Wer sich hier etwas gründlicher vorbereiten will, sollte die Spielhilfe Reich des Roten Mondes (2008) zur Hand nehmen. Ansonsten ist lediglich das Standardregelwerk, das die Gruppe üblicher Weise verwendet, von Nöten.
Etwas problematisch ist meiner Meinung nach die Erwartungshaltung der Autoren. Zuweilen werden von den Spielern Reaktionen vorausgesetzt, die in der Praxis nur schwer vorstellbar sind. Dadurch besteht eine relativ hohe Gefahr, dass die Handlung aus dem Ruder läuft. Etwas gemäßigtere Darstellungen beziehungsweise mehr Flexibilität bei den Spielerreaktionen wären hier vorteilhaft gewesen.
Grundsätzlich wurden die Abenteuer gut recherchiert und in den aventurischen Hintergrund integriert. Ich meine jedoch, die ein oder andere Ungereimtheit festgestellt zu haben, die bei einer etwas genaueren Recherche vermeidbar gewesen wären.
Die Abenteuer sind allesamt in neuerer aventurischer Zeit angesiedelt. Da sich die Berührungspunkte zum Hintergrund und insbesondere zum Metaplot in sehr engen Grenzen halten, ist eine zeitliche Variation unproblematisch. Darüberhinaus sind auch räumliche Änderungen machbar, solange sich die Handlung weiterhin in der Umgebung des Orklandes bewegt.
Aufmachung:
Von Orks und Menschen erschien im Paperbackformat. Das Cover zeigt offenbar ein Schlacht zwischen Orks und Menschen und ist damit zwar sehr schön, aber gleichzeitig wenig aussagekräftig. Das Layout ist ansprechend, Die Abenteuer sind übersichtlich und gut strukturiert. Die Illustrationen wirken qualitativ hochwertig. Der Schreibstil liest sich angenehm.
Fazit:
Für einen Abenteuersammelband stellt Von Orks und Menschen eine äußerst positive Überraschung dar. Im Gegensatz zu manch anderer Publikation des Segmentes erhält der Käufer hier tatsächlich drei spannende und vor allem fertige Abenteuer, die ohne größeren Aufwand gespielt werden können, wobei sich an der Darstellung der Orks, die der derzeitig vorherrschenden "Political Correctness" geschuldet ist, die Geister vermutlich scheiden werden. Eine besondere rollenspielerische Herausforderung ist hier der moralische Konflikt, der in den Abenteuern unvermeidbar auf die Charaktere zukommt. Fans von solch anspruchsvollem Rollenspiel dürfen daher zugreifen. Von mir erhält Von Orks und Menschen gute 8 von 10 Punkten.
© 2010 by Marc Völker
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