
Der Bogen ist uns schon seit der Steinzeit vor rund 10.000 Jahren als Jagd- und Kriegswaffe bekannt. Ötzi als prominentester aller Steinzeitmenschen führte einen halbfertigen Bogenstab, benutzte und beschädigte Pfeile und unbenutzte Pfeilspitzen mit sich. Leider zerbrach der Bogenstab bei der Bergung der Gletschermumie. Aber auch aus dem zerbrochenen Stab lässt sich viel erfahren. Der Bogen, den Ötzi sich schnitzte, war aus Eibe. Das Werkzeug, das er dabei benutzte, aus Feuerstein und Kupfer. Heute wird Ötzis Bogen zu den Langbogen gezählt; man kann unterstellen, dass dieser Bogentyp in Aventurien am häufigsten anzutreffen ist.
Ein Bogen besteht normalerweise aus drei Teilen: Zwei Wurfarmen, an deren Spitzen die Sehne befestigt wird, und einem Griff (siehe Bild). Dazu kommen kleine Hilfen wie ein Nockpunkt auf der Sehne, eine Pfeilauflage am Handgriff, vielleicht ein Visier und Stabilisatoren. Je mehr "Gadgets", desto moderner der Bogen.
Moderne Bogen
Moderne Bogen fallen in der Regel in vier Klassen: Langbogen, Recurvebogen, Compound-Bogen und Exoten. Langbogen werden in der Regel aus einen Stück Holz hergestellt, das in Form geschnitzt wird. Diese Bogen sehen im ungespannten Zustand aus wie ein geformtes Brett und werden üblicher Weise ohne Visier, also "instinktiv" geschossen. Dieser Bogentyp ist seit der Steinzeit nachweisbar.

Irdische Bogen: Langbogen, Recurvebogen und Compoundbogen (von oben)
Recurve-Bogen sind Bogen, die sich ungespannt "nach vorne" also in Richtung Ziel biegen. Um sie zu spannen, müssen die Wurfarme erst nach hinten gebogen werden. Die Bogen bestehen normalerweise aus drei Komponenten: Einem Handgriff mit Visier, Pfeilauflage und Stabilisatoren (die "Antennen") und zwei austauschbaren Wurfarmen. Dieser Bogentyp wird zum Sportschiessen (auch Olympia) verwendet und mit Visier geschossen. Da dieses Visier bei jeder Entfernungsänderung angepasst werden muss, werden die Bogenschützen auch mal "Schrauber" genannt.
Compound-Bogen (nicht zu verwechseln mit Komposit-Bogen, welche meist zu den Recurves gehören) sind "(Metall-) Bogen mit Flaschenzug". Die Bogensehne wird über Rollen mehrmals zwischen den Wurfarmen hin und her geführt. Das ermöglicht ein höheres Zuggewicht und damit eine höhere Beschleunigung des Pfeils, was zu einer grösseren Reichweite und mehr Treffsicherheit auf die Distanz führt. Auch diese Bogen kommen mit Visier, machen aber durch die vielen beweglichen Teile deutlich Krach beim Abschuss. Da bei Compound-Bögen sehr viel über Räder läuft, bekommen die Schützen ab und zu das Etikett "Radfahrer".
"Exoten" sind zum Beispiel die asymetrischen japanischen Yumi aus Bambuslaminat (das Schiessen dieser Bogen wird im "Kyudo" unterrichtet) und diverse andere ethnische Bogentypen, auf die hier einzugehen zu weit führen würde.
Historische Bogen (in Europa)
Historische Bogentypen fallen unter die modernen Klassen der Langbogen und Recurve-Bogen. Der englische Langbogen sollte spätestens aus der Malerei und gewissen Robin Hood Filmen allgemein bekannt sein. Sie sind im ungespannten Zustand bis zu 20cm grösser als ihr Träger und haben im modernen Bau ein Zuggewicht von 25 bis 60 lbs (Englische Pfund, ca. 454 Gramm)(*). Kriegsbogen dieser Bauart hatten streckenweise Zuggewichte bis 100lbs, und Grabfunde beweisen, dass diese Bogen wohl auch wirklich zum Einsatz kamen. Allerdings hatten diese Bogenschützen kein sehr langes Leben, da die enorme Belastung des Brustkorbs und der Schultern sie mit etwa 40 Jahren zu Krüppeln machte.
Die zweite Gruppe sind die Reiterbogen, kurze Recurve-Bogen aus Holz oder Holz-Leder-Horn - Laminaten. Diese Bogen haben für ihre Grösse ein starkes Zuggewicht und sind für den Einsatz zu Pferde und im Mitteldistanz-Kampf optimiert. Entsprechend ist die Reichweite und Zielgenauigkeit eines solchen Bogens geringer als bei einem Langbogen, der Schaden den sie auf ihre kürzere Distanz anrichten aber enorm.
Grundsätzliches
Ein Bogen ist verschiedenen Belastungen ausgesetzt: Er wird durch die Sehne vorgebogen, durch den Auszug des Schützen noch weiter gespannt und dann plötzlich losgelassen, um einen Pfeil zu beschleunigen. Dabei sollten die Wurfarme möglichst schnell in ihre Ausgangslage zurückstreben, aber auf keinen Fall zur Seite ausweichen oder sich verdrehen, da sonst der Pfeil fehl geht. Es wird also ein Material benötigt, das einerseits flexibel genug ist, um sich zu beugen und dabei stabil genug, um schnell in seine Ausgangslage zurück zu springen (man nennt dies "eine hohe Rückstellkraft entwickeln"). Es darf sich nicht zur Seite verdrehen lassen und muss Stauchung (auf der Rückseite des Bogens) und Dehnung (auf der Vorderseite des Bogens) aushalten. Bei Recurve-Bogen wird das durch Laminierungs- und Dämpftechniken erreicht, die das Material in eine bestimmte Form zwingen und dort stabilisieren; es wird hier im folgenden nur auf den Langbogen eingegangen, da dieser Typ mit dem geringsten technischen Aufwand herzustellen ist.
Verwendete Hölzer
Die für den Bogenbau am Besten geeigneten einheimischen Hölzer sind Ulme, Esche (nicht Eberesche!) und Eibe (**), zusätzlich Osage Orange, ein Baum, der in Amerika und neuerdings Ungarn heimisch ist. Alle vier Hölzer sind formstabil und weisen eine gute Rückstellkraft auf. Die Eibe hat von den europäischen Hölzern die "idealsten" Eigenschaften für einen Bogen, was einer der Gründe ist, weshalb der Baum jetzt zu den gefährdeten Pflanzen gehört. Erfahrene Bogenbauer können auch aus anderen Hölzern gute Bogen herstellen, aber die vier oben genannten Hölzer sind die gängigen Materialien für den Bogenbau. Wie Ötzi beweist, wurde die Eibe schon in der Steinzeit als Rohmaterial für einen Bogen geschätzt.
Der Bogenbau
Für den Bogenbau benötigt man ein mindestens 15cm dickes, 150 bis 200cm langes, gerade gewachsenes und astfreies Holzstück. Im Idealfall können aus diesem Holzstück vier Bogen hergestellt werden. Für die Trocknung des Holzes wird der Stamm in vier Viertel gespalten. Dann werden die Enden mit Leim bestrichen, um den Trocknungsvorgang zu verlangsamen. Schnell trocknendes Holz reisst ein, und das ist für einen Bogen das Aus. Die ideale Holzfeuchte für einen Holzbogen liegt bei 11-8%, ein Wert, der in Deutschland mit "normaler Lufttrocknung" in Aussenlagerung unerreichbar ist.

Schematischer Aufbau eines Bogens
Der potentielle Bogen muss also in einer warmen Umgebung getrocknet werden. Ideal ist normalerweise das "Klima", das im Winter auf dem Wohnzimmerschrank herrscht. Für irdische und derische Profis kann man voraussetzen, dass ein professioneller Bogenbauer eine Trockenkammer oder ein beheiztes Trockenhaus hat, in dem das Bogenholz mindestens 6 Monate lang getrocknet wird. Je langsamer der Prozess abläuft, desto besser wird die Qualität des Bogenholzes - die durchschnittliche Trockendauer ist also eher ein bis vier Jahre für einen hochwertigen Bogen.
Ist das Holz getrocknet, wird es sorgfältig abgerindet, ohne die oberste Holzschicht zu beschädigen, da selbige schon die Bogenvorderseite darstellt. Jeder Einschnitt in dieses Holz schwächt den neuen Bogen entscheidend. Danach wird, von der Innenseite aus, aus dem Stammviertel die Bogenform herausgearbeitet. Ist der Proto-Bogen zu feucht - meistens, weil das Holz zu kurz gelagert wurde - wird er jetzt noch einmal nachgetrocknet. Darauf folgt die Arbeit des "Tillerns" - der längste und schwierigste Prozess im Bogenbau. Der Bogen wird angebogen und von der Innenseite her nachgeschliffen, bis sich die Wurfarme gleichmässig biegen, der untere etwas steifer als der obere. Dies ist wichtig, um eine ideale Pfeilbeschleunigung zu erreichen. Nach dem Tillern wird der Bogen das erste Mal voll gebogen, probeweise geschossen und korrigiert. Ist der Bogen wunschgemäss fertig gestellt, so wird er mit Wachs und Öl behandelt und kann benutzt werden.
Pflege eines Bogens
Das Holz eines Bogens ist in der Regel trockener als die Luft, in der er zum Einsatz kommt. Holz ist ein lebendiger Stoff und zieht Feuchtigkeit an. Deshalb muss ein Holzbogen regelmässig geölt und in trockener Umgebung aufbewahrt werden. Zieht das Holz zu viel Wasser an sich, wird es träge und verliert seine Spannkraft.
Ähnliches gilt für die Zeit, die der Bogen gespannt bleibt. Die Stärke eines Bogens entspricht seiner Rückstellkraft. Bleibt der Bogen zu lange Zeit gespannt, so gewöhnt sich das Holz an die neue Haltung und hat kein Bestreben mehr, in die "Gerade" zurückzukehren. Beides führt zu merklich kürzeren Schüssen, schlechteren Zieleigenschaften und einer stärkeren Belastung der Hand des Schützen. Aus diesem Grund sollte ein Bogen, der nicht im Einsatz ist, immer entspannt und in einer wasserfesten Hülle aufbewahrt werden.